Wenn Tiefe kein Alter kennt
- kreativkinetik
- 26. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Erfahrungen im Leben, die einem den Blick auf die Welt verändern.
Eine dieser Erkenntnisse hat mich besonders tief berührt: Tiefe kennt kein Alter.
Zu oft messen wir Reife, Weisheit oder Bewusstsein an einer Zahl – am Geburtsjahr, an grauen Haaren oder daran, wie lange jemand schon auf dieser Erde wandelt.
Doch was ich im Leben erlebt habe, spricht eine andere Sprache.
Ich habe Menschen getroffen, die mit 60 oder 70 Jahren durchs Leben gingen, ohne je innezuhalten. Sie funktionierten, erfüllten Rollen, glaubten, was man ihnen sagte – aber in ihren Augen lag kein Staunen, keine echte Frage. Kein Funken von dem Bewusstsein, das uns zeigt, wie wundervoll, wie tief, wie geheimnisvoll dieses Leben eigentlich ist.
Und dann begegnete ich jungen Menschen – Anfang 20, manche sogar noch jünger –, die mir Fragen stellten, die mich selbst herausforderten.
Die spürten, dass das Leben mehr ist als Alltag, Job, Karriere. Die sich Gedanken machten über Sinn, über das Sein, über Verbindung, Stille, Liebe, Bewusstsein.
In ihren Augen lag Tiefe – nicht, weil sie alles wussten, sondern weil sie suchten. Weil sie fühlten.
Ich finde es zutiefst inspirierend zu sehen, dass gerade viele junge Menschen heute bewusst entscheiden, nicht mehr dem klassischen Lebensformat zu folgen.
Sie lehnen diese alten Dogmen ab, wie man „zu sein hat“, wie „das Leben zu laufen hat“. Stattdessen fragen sie sich: Was fühle ich? Was ruft mein Herz?
Sie wollen reisen, sich selbst in der Welt erfahren.
Sie wollen lernen durch das Leben selbst – nicht nur aus Büchern oder Systemen.
Für sie steht nicht an erster Stelle, schnell einen Beruf zu erlernen, Geld zu verdienen, ein Haus zu bauen.
Sie folgen ihrem Seelenruf – nicht den Erwartungen der Generationen vor ihnen.
Gerade deshalb ist es so wichtig, diesen jungen Menschen mit Respekt zu begegnen.
Ihnen Achtung zu schenken für den Mut, einen Weg zu gehen, der nicht vorgezeichnet ist. Und der vielleicht von vielen belächelt oder verurteilt wird – aber gerade deshalb unseren ehrlichen Respekt verdient.
Denn was sie leben, ist gelebter Wandel.
Und vielleicht ist es ebenso wichtig, Menschen in ihren 40ern, 50ern oder 60ern dazu zu ermutigen, sich aus alten Mustern zu befreien – besonders aus der Angst vor dem Älterwerden.
Für viele ist der runde Geburtstag ein Schreckmoment: „Jetzt bin ich schon 40… 50… 60…“ – als wäre das ein Abstieg. Dabei ist es nur eine Zahl.
Vielleicht sollten wir aufhören, unseren Geburtstag als Zählpunkt des Älterwerdens zu feiern.
Vielleicht sollten wir aufhören, diese Struktur jedes Jahr zu wiederholen, die uns mehr an die
Vergänglichkeit erinnert als an das Leben selbst.
Ich selbst bin 40 – aber ganz ehrlich: Ich fühle mich wie 19.
Ich würde gar nicht wissen, wie alt ich bin, wenn nicht jedes Jahr jemand darauf hinweist.
Denn Tiefe, Lebensfreude, Jugendlichkeit – das ist nichts, was vergeht.
Es ist etwas, das lebt, wenn wir es leben.
Und vielleicht sollten wir anfangen, uns jeden Tag zu feiern – nicht wegen einer Zahl, sondern weil wir hier sind.
Und um zu zeigen, dass es nicht nur in jungen Jahren geht, möchte ich noch ein Beispiel teilen.
Eine wundervolle Seelenschwester, die ich sehr schätze, ist inzwischen 68 Jahre alt. Und sie lebt genau das, was viele in ihrem Alter längst vergessen haben.
Sie hört auf ihr Herz. Sie hat den Mut, sich weiterzuentwickeln.
Was sie noch nicht kann, eignet sie sich an – mit Neugier, mit Hingabe.
Sie ist nicht steckengeblieben in alten Mustern, sondern folgt täglich aufs Neue ihrer Intuition.
Sie fragt sich nicht: Was macht man in diesem Alter? sondern: Was bewegt mich heute?
Sie forscht – im Leben, im Menschsein, im Bewusstsein.
Und je mehr sie ihrem inneren Ruf folgt, desto freier wird ihr Geist.
Sie lebt das, was viele suchen: Leichtigkeit, Fülle, Echtheit. Nicht weil sie alles weiß, sondern weil sie bereit ist, jeden Tag neu zu beginnen.
Wir sollten aufhören, Tiefe am Alter festzumachen.
Was wirklich zählt, ist nicht, wie viele Jahre wir gelebt haben, sondern wie wir leben.
Ob wir fühlen, zuhören, wachsen wollen.
Ob wir bereit sind, die alten Denkmuster zu hinterfragen und wirklich mit dem Herzen zu sehen.
Unsere Seele kennt keine Uhr.
Unser Herz fragt nicht nach Jahren.
Bewusstsein erwacht nicht auf Kommando – es erwacht, wenn wir bereit sind.
Also feiern wir das Leben. Jeden Tag. Und erkennen wir endlich: Tiefe kennt kein Alter.
Wenn deine Seele keine Zahl kennt – wer bist du dann wirklich?
Schreib gerne in den Kommentaren:-)
Diana
So wahrhaftig, Dankeschön!